Freitag, 17. Dezember 2010

Ein seltsamer Traum

Letzte Nacht habe ich vielleicht was Seltsames geträumt, das muss ich unbedingt erzählen:
Im Traum lief ich zu Sandsons Hof, wo viele Hühner leben. Und als ich da bei den Hühnern stand, konnte ich plötzlich verstehen, was sie redeten. Da schaute ich an mir herunter und stellte fest, dass ich selbst ein Huhn war. Und da fing der Hahn Georg auch schon an, mit mir zu sprechen: "Überall diese Wölfe! So viele Hühner sind ihnen schon zum Opfer gefallen. Wir brauchen dringend Hilfe!" Und der Hahn schickte mich überall in die umgebenden Lande; ich sollte mit irgendwelchen Tieren sprechen und sie um Hilfe bitten. So lief und flatterte ich los, streifte zuerst durchs Auenland. Bei Balgfurt traf ich auf einen schwarzen Reiter, aber es war nur ein Hobbitkind, das rief "Heute Balgfurt, morgen das Ostviertel und übermorgen das ganze Auenland!" Doch plötzlich saß das Kind auf einem großen schwarzen Pferd und wurde selbst groß wie ein Mensch, und wo eben noch heller Tag war, breitete sich tiefste Dunkelheit aus. Mir standen alle Federn zu Berge. Der Reiter zischte nur ein Wort:"Beutlin!", dann ritt er in einem Höllentempo nach Bockland, und das Horn von Bockland wurde geblasen. Und ich selbst flatterte auch nach Bockland zu einer Kuh, die auf einem Dach stand und nicht mehr runter wollte. Aber die Kuh wollte den Hühnern nicht helfen. Dann wurde ich auf einmal wieder ein Hobbit und ich fiel vom Dach, aber es kam kein weicher Boden, der mich hätte auffangen können, sondern ich fiel einfach weiter, immer weiter - und dann bin ich aufgewacht.

Rohstoffe dringend benötigt!

Es mangelt hier inzwischen an allem: Kupfer, Zinn, Eisen, verschiedene Holzsorten. Da sich immer mehr Leute den Grenzern anschließen und man nicht mehr ohne Schild und Schwert im Auenland unterwegs sein kann, kommen unsere Schmiede kaum mit der Produktion von Rüstungen, Waffen und anderem Gerät nach. Vor allem aber brauchen sie immer genügend Nachschub an Rohstoffen, und die werden ihnen nicht geliefert. Dabei sind die Erzadern und Hölzer überall zu finden, jedenfalls wenn man ein wenig abseits der Wege geht. Nun, damit läßt sich doch bestimmt ein gutes Geschäft machen, dachte ich mir, und habe mich daher als Schürfer, Förster und Schneider ausbilden lassen.
Es ist wirklich nicht so schwer, das Erz abzubauen und daraus Barren zu schmelzen. Man darf sich bei der Arbeit nur nicht ablenken lassen, sonst kann einem die Spitzhacke oder die Axt schnell ins Bein fahren. Aber nach etwas Übung bekomme ich das inzwischen ganz gut hin. Und die Arbeit lohnt sich wirklich, ich kann meine Produkte gar nicht schnell genug zum Auktionshaus bringen.

Kreuz und quer durchs Auenland

Ich kann es euch vielleicht sagen! Ganze fünf Tage war ich unterwegs, bin im Auenland von einem Ende zum anderen gelaufen, von Norden nach Süden und von Ost nach West, bis ich all diese Kuchen wieder eingesammelt hatte. Mir tun vielleicht die Füße weh! Und dabei musste ich immer aufpassen, dass mir kein hungriger Hobbit in die Quere kam, denn solche Leute essen alles und fragen nicht danach, ob es ihnen bekommt.
Dafür kenne ich jetzt sämtliche Gasthäuser des Auenlandes mit ihrer jeweiligen Bierspezialität. In Dachsbauten z.B. gibt es im Gasthaus "Pflug und Sterne" das Wollfußer Dunkel. Hmm, das schmeckt besonders köstlich. Oder in Stock im "Goldenen Barsch", dort sollte man unbedingt das Weidenwinder Alt probieren, auch wenn es nicht ganz billig ist. Dazu noch ein paar schmackhafte Fische frisch aus dem Brandywein, und jeder Hobbit fühlt sich wie im Himmel.
Lustige Geschichten habe ich auf meiner Wanderung erlebt. In Michelbinge z.B. bat Rollo Neubock mich, für ihn seine Freunde zu suchen. Sie spielen oft Verstecken, doch Polo und Margerite Dachsbau verstecken sich immer an den gleichen Stellen. Daher hatte Rollo keine Lust, wieder ganz überrascht tun zu müssen, und schickte mich statt dessen auf die Suche. Die beiden waren auch nicht schwer zu finden, aber dann sollte ich noch Odo Pfeife suchen, und der hatte sich ein ganz besonders gutes
Versteck ausgedacht. Halb Michelbinge hab ich nach ihm abgesucht, bis ich ihn schließlich beim Gastaus gefunden habe - oben, auf dem Dach! Auf die Idee muss man erst mal kommen.

Aber überall war auch deutlich zu hören und zu sehen, dass die Welt im Wandel ist. Das Auenland ist nicht mehr sicher: Riesige Spinnen haben sich im Steinbruch bei Schären eingenistet, Höfe werden von Wölfen überfallen, in Bree bestellte Lieferungen kommen nicht mehr hier an und auf dem Grünfeld sind tatsächlich Bilwisse. Gegen all das muss etwas getan werden. Aber es reicht nicht, die Feinde im
Land zu bekämpfen, wir müssen schon an der Grenze damit beginnen oder sogar außerhalb. Deshalb habe ich mich den Grenzern angeschlossen.

Donnerstag, 11. November 2010

Noch mehr Botengänge

Die Sonne stand schon recht hoch am Himmel. Doch des Hobbits beste Uhr ist sein Magen, und meiner sagte mir, dass es höchste Zeit war für eine Zwischenmahlzeit. Was gäbe es in Hobbingen dafür Besseres als Heide Hornbläsers Kuchen?
Bergab lief es sich wesentlich schneller, und so kam ich rasch zur Brücke, überquerte die Wässer, bog in die erste Gasse nach links ein und fand Heide vor ihrer Bäckerei stehen.
Doch welche Enttäuschung: Nein, sie könne mir kein Stück Kuchen geben, sie käme ja kaum mit dem Backen nach und alle fertigen Kuchen seien reserviert und müssten ausgeliefert werden. Aber, sagte sie, wenn ich ihr dabei helfen könnte, dann würde sie auch extra einen für mich backen. Ah, die fertigen Kuchen dufteten so herrlich, dass ich ihr diese Bitte bei dem in Aussicht gestellten Lohn unmöglich abschlagen konnte. Nun denn, in meiner Tasche fand ich noch ein paar gebratene Pilze, die meinen Magen füllen und meine Schritte beschleunigen sollten. So nahm ich also den ersten Kuchen entgegen, den ich zum "Grünen Drachen" in Wasserau bringen sollte, und machte mich auf den Weg.

Gerd Weißfuß nahm den Kuchen vor dem Gasthaus entgegen und rümpfte gleich seine Nase: "Der riecht aber irgendwie komisch, nicht so wie sonst", meinte er. Ich schenkte seiner Bemerkung weiter keine Beachtung und machte mich auf den kurzen Rückweg nach Hobbingen.
Dort übergab mir Heide einen Kuchen, den sie für Lobelia gebacken hatte, die sie offensichtlich so wenig leiden konnte wie viele andere. Den Kuchen sollte ich bei Opal Gutleib auf dem Festplatz abliefern, die ihn für Lobelia in Empfang nehmen wollte. Dort angekommen, reichte ich Opal den Kuchen, doch auch sie rümpfte die Nase darüber. Dann probierte sie ein kleines Stück und spuckte es sofort wieder aus: "Bäh! Der schmeckt ja scheußlich! Ich will sofort einen neuen Kuchen!" sagte sie. Hmm, dachte ich auf dem Rückweg bei mir, überall hört man, Heides Kuchen seien die besten, da müssen ihr die letzten hier aber ganz schön daneben gegangen sein.
Wieder bei der Backstube angekommen, berichtete ich Heide von der Meinung ihrer Kunden.
"Was?" sagte sie. "Das gibt's doch nicht!" Doch dann probierte sie einen ihrer Kuchen und verzog sogleich das Gesicht. "O nein! Die Beeren müssen verdorben gewesen sein. Welche Katastrophe! Hast du eine Ahnung, Frodogar, wie viele Kuchen ich schon verteilt habe mit diesen schlechten Beeren? Das kann mich ruinieren!" Dann dachte sie kurz nach und meinte: "Du musst mir helfen, Frodogar! Du musst mich retten und die verdorbenen Kuchen überall wieder einsammeln, bevor sich noch einer damit lebensgefährlich vergiftet! Nicht auszudenken! - Bitte, Frodogar." Ihr Jammer war kaum zu ertragen, so versprach ich, ihr zu helfen. Sie gab mir eine Liste mit all den Orten, an die sie die Kuchen geliefert hatte. Ich muss schon sagen, das ganze Auenland gehört zu ihrer Kundschaft. Na, das wird eine Weile dauern, bis ich die Orte alle abgeklappert habe. Da hab ich mich ja auf etwas eingelassen!

Mittwoch, 6. Oktober 2010

Sackgasse in Beutelsend

Endlich erreichte ich die nächste Wegkreuzung. Ein alter Wegweiser gibt dort Auskunft darüber, wohin die einzelnen Wege führen: Wenn man weiter der Oststraße folgt, gelangt man nach Wasserau. Wendet man sich dagegen nach Süden und geht den Buckel hinauf, dann kommt man nach Buckelstadt. In nördlicher Richtung führt der Weg hinab nach Hobbingen, und genau dorthin lenkte ich meine Schritte. Von oben hatte ich einen herrlichen Blick auf die kleine Siedlung an der Wässer. Ich konnte mit den Augen der Straße folgen hinab bis zur Brücke und auf der anderen Seite wieder hinauf zum Bühl. Dort oben war die alte Hobbithöhle der Beutlins: Beutelsend auf dem Bühl. Dort sollte ich Lobelia finden.
Wieso sie jetzt die Herrin von Beutelsend war? Ja, das ist eine seltsame Geschichte: Schon vor vielen Jahren hätte sie die Höhle beinahe in ihren Besitz gebracht, als der alte Bilbo Beutlin lange verschwunden war. Das war vor meiner Geburt gewesen. Meine Eltern haben mir davon erzählt, dass alle dachten, Bilbo sei tot, er würde nie wieder zurückkehren. Und so wollte Lobelia ihr Erbe antreten. Doch just in diesem Moment sei Bilbo wieder aufgetaucht in Gesellschaft einiger Zwerge und habe die Sackheim-Beutlins davongejagt.
Dann lebte er und lebte und wollte nicht sterben. Schließlich konnte er sogar seinen 111. Geburtstag feiern. Aber mitten in seiner Festrede sei er dann verschwunden - von einer Sekunde auf die andere - und wurde nie wieder gesehen. Keiner konnte sich erklären, was geschehen war. Jahrelang gab es kaum ein anderes Thema, und die Leute fragten sich, ob er nicht doch genauso plötzlich wieder auftauchen könnte wie nach seinem ersten Verschwinden. Jedenfalls erbte Frodo seinen ganzen Besitz, Frodo, sein Neffe, den er adoptiert hatte. Der alte Bilbo hatte ja selbst keine Kinder. Frodo war nun einige Jahre Herr auf Beutelsend gewesen, bis ihn schließlich das Heimweh packte. Er wollte wieder in seiner alten Heimat leben, im Bockland. So habe ich es gehört. Und so kam es, dass Lobelia schließlich doch noch auf dem Bühl einziehen konnte.
Von dem steilen Aufstieg war ich ein wenig außer Atem gekommen, als ich endlich bei der Höhle ankam. Lobelia stand vor der runden Tür. Ich richtete ihr die Botschaft des Bürgermeisters aus. Wie ich mir schon ausgerechnet hatte, reagierte sie mit Gift und Galle. Nun, das kann mir gleich sein. Dann faselte sie noch etwas von Bilwissen, die es angeblich in Grünfeld geben soll. Sie meinte, ich könne mich dort doch mal nützlich machen statt Botengänge zu erfüllen. Weiter war von ihr aber nichts zu erfahren.

Montag, 9. August 2010

Noch einmal ein Bote

Ich brach auf, um nach Hobbingen zu gehen. Doch Postmeister Stolzfuß stellte sich mir in den Weg.
"Frodogar", sagte er, "Ihr habt unserem Postdienst so wunderbar geholfen. Zufällig habe ich Euer Gespräch mit dem Bürgermeister verfolgt und gehört, dass Ihr auf dem Weg nach Beutelsend seid. Könntet Ihr da nicht eine unserer Posttaschen nach Wegscheid mitnehmen? Zweifellos wird Euch Briefträger Zwiefuß auch einen entsprechenden Lohn dafür entrichten. Ihr kommt doch eh dort vorbei."

Nun gut, dachte ich bei mir, wenn eine Bezahlung dabei herausspringt, dann kann ich mir vielleicht in Hobbingen bei Heide Hornbläser ein Stück von ihrem berühmten Kuchen kaufen. So lohnt sich der Weg dorthin gleich doppelt. Ich nahm die entsprechende Tasche und ging los.

Von Michelbinge führt eine breite Straße ostwärts hinunter nach Wegscheid. Kurz bevor ich den Ort erreichte, kam mir ein Hobbit entegegen, und als er sah, dass ich einen Postsack mit mir trug, lief er schnell auf mich zu und rief: "Ist da ein Brief für mich dabei? Lasst mich sehen!" Ich konnte gerade noch den Hang zu meiner Linken hinaufstürmen, um ihm so auszuweichen. Ich nahm die Beine in die Hand und lief, so schnell ich konnte, über die Felder nach Wegscheid zu Briefträger Zwiefuß. Puh, das war knapp! Beinahe hätte dieser neugierige Hobbit mir die Tasche entrissen. Wer weiß, welchen Schaden er damit angerichtet hätte. Ich wusste gar nicht, dass der Beruf eines Briefträgers im Auenland so gefährlich sein kann.
Als ich Briefträger Zwiefuß die Geschichte erzählte, lachte er nur. "Ja, ja, es gibt eben viele neugierige Hobbits, die es gar nicht abwarten können, einen Brief zu bekommen. Wir Briefträger sind diese Leute gewohnt. Deswegen laufen wir auch immer so schnell und oft querfeldein. Und das ist der eigentliche Grund, weshalb bei uns die Post so schnell ankommt."

Wie der Name schon sagt, kreuzen sich in Wegscheid zwei wichtige Straßen. Von West nach Ost verläuft die Ost-Straße, die Michelbinge mit Hobbingen verbindet und die weiterführt bis Bree. Geht man nach Norden, gelangt man zum Binsenmoor, wo die Wässer entspringt, die durch Hobbingen und weiter nach Osten fließt, bis sie schließlich in den Brandywein mündet. Durchquert man das Moor, so kommt man zu dem Örtchen Nadelhohl. Nach Süden führt der Weg zum Südviertel.

Ich jedenfalls ging weiter Richtung Osten.

Samstag, 24. April 2010

Doppelter Postbote

Ich wollte mich gerade auf den Weg nach Michelbinge machen, da hielt mich Briefträger Neubock an:
"Ah, Frodogar, wohin des Wegs?"
"Nach Michelbinge", sagte ich.
"O, ich bitte euch, nehmt doch diese Posttasche mit. Sie muss möglichst rasch zu Postmeister Stolzfuß. So könnt Ihr uns helfen, den guten Ruf unserer schnellen Postzustellung hier im Auenland wieder aufzupolieren. Würdet Ihr mir diesen Dienst erweisen?"
Gerne kam ich seiner Bitte nach, nahm die Tasche und spurtete los. Neubock rief mir noch nach: "O, und lasst euch nicht aufhalten von Wichtigtuern und neugierigen Hobbits."
Die Straße nach Michelbinge verläuft zuerst an dem kleinen Bach entlang bis zum Wasserfall, nach dem Torbogen biegt sie nach Süden ab und führt über eine kleine Kuppe hinweg. Dort gabelt sie sich: Links geht es zur Stadthalle, auf dem rechten Weg kommt man zum Gasthaus "Adler und Kind" - ein seltsamer Name für ein Gasthaus. Immer wieder überlegen einige Einwohner von Michelbinge, ob sie ihrem Gasthaus nicht einen anderen Namen geben sollten. Ich nahm die Abzweigung nach links. Zum Glück begegnete mir unterwegs kein Lebewesen außer einigen Kühen, so dass ich ohne Zwischenfall beim Postmeister ankam und ihm die Tasche übergeben konnte.
Bürgermeister Weißfuß stand in seinem schönsten Anzug vor der Stadthalle. Ich übergab ihm Mundos Brief und versicherte ihm, dass ich mit dessen Forderungen nichts zu tun hätte. Unser Bürgermeister reagierte, wie ich es erwartet hatte. Keine Kupfermünze solle den Sackheim-Beutlins gezahlt werden. Wegen dringender Geschäfte bat unser "Mehlkloß" mich, diese Nachricht Lobelia zu überbringen. Ja bin ich jetzt der Laufbursche aller Hobbits geworden? Haben nicht auch andere Beine und können laufen? Zuerst wollte ich mich weigern, doch dann fiel mir die sonderbare Geschichte von Archet wieder ein: Warum suchten die Schwarzwolds nach einem Beutlin? Vielleicht lässt sich bei Lobelia in Hobbingen mehr über die Sache herausfinden.

Sonntag, 7. Februar 2010

Rückweg ins Auenland

Als wir Archet verließen, stieg noch immer Rauch von einigen Glutnestern zwischen den zerstörten Häusern auf. Wir gingen über Schlucht nach Bree.
Bree, diese riesengroße Stadt der Menschen, in der sich drei kleine Hobbits wirklich verlaufen können und ganz verloren fühlen. Sicher, es leben auch ein paar Hobbits hier im Breeland, und nach den alten Geschichten haben sich unsere Vorfahren erst hier angesiedelt, bevor sie den Brandywein überschritten und das Auenland besiedelten. Aber selbst Archet, das mir schon groß erschien, wirkt wie ein Dorf gegenüber Bree. Ich wundere mich, wie man sich hier als Hobbit wirklich wohl fühlen kann.
Müde und hungrig vom Wandern kehrten wir im Gasthaus "Zum tänzelnden Pony" ein. Die Gaststube war brechend voll, obwohl es noch nicht Mittag war. Wir fanden gerade noch einen freien Tisch und bestellten drei Krüge Bier und einen kleinen Happen. Viele Augen beobachteten uns, und schließlich sprach uns ein Mensch an, ob wir hier fremd seien und wo wir her kämen. Die Schlacht um Archet hatte sich tatsächlich schon bis hierher herumgesprochen, und auch mein Name war den Leuten hier bekannt geworden. Schnell scharten sich immer mehr um uns, um die Geschichte aus erster Hand zu hören. Die Leute waren sehr freundlich, dankbare Zuhörer, und sie sprachen voll Hochachtung mit mir. Sie nannten mich "Frodogar, der Held von Archet" oder "Frodogar, der Wachsame" und tranken auf mein Wohl. Schließlich musste ich noch ein Lied für sie zum Besten geben.
Der Rest unseres Weges verlief ereignislos - abgesehen davon, dass Mundo mir die Ohren volljammerte. Das Bier und das Essen im "Pony" hatten ihm über den Schock der Entführung und der Schlacht hinweg geholfen und jetzt fing er an, sich über all das zu beklagen. Er sagte, das ließe er sich nicht bieten und er fordere Entschädigung für all die Blessuren und Unannehmlichkeiten, die er erlitten habe. Als wir schließlich in Lützelbinge angekommen waren, übergab er mir einen Brief, den ich in seinem Auftrag zu unserem Bürgermeister Willi Weißfuß bringen sollte.
Was bildet sich dieser Fatzke nur ein? Er sollte lieber dankbar sein dafür, dass er das Ganze überlebt hat, dankbar, dass Amdir und ich ihn gerettet haben. Nun gut, da ich sowieso nach Michelbinge will, nahm ich seinen Brief mit.

Dienstag, 20. Oktober 2009

OOC

Soll der Blog fortgesetzt werden?

Liest es jemand? Gefällt es? Ist es hilfreich fürs Spiel?
Oder eher nicht?

Samstag, 17. Oktober 2009

Der Angriff auf Archet

Unser Überfall auf das Lager der Schwarzwolds konnte sie nicht wirklich aufhalten. Ihr Anführer Éogan hatte seine Leute bereits zum Angriff auf Archet versammelt, im Lager waren nur ein paar wenige zurück gelassen worden. Nun galt es, schnell zu handeln und bei der Verteidigung der Stadt zu helfen. Der schnellste Weg von der Jagdhütte nach Archet führt über die alte Oststraße. Doch einige der Schwarzwolds kontrollierten die Straße.

Langsam schlich ich mich an und wartete auf die günstigste Gelegenheit, sie anzugreifen. Zwei der wilden Kerle stürzten sich auf mich, doch es gelang mir, sie zu überwältigen. Weiter ging es, an den Spinnen vorbei, die mich zum Glück nicht bemerkten. Einen Kampf mit ihnen hätte ich inzwischen zwar mühelos überstanden, aber er hätte wertvolle Zeit gekostet. In der Mitte des Weges hatten die Spinnen ein starkes Netz gewoben, doch ganz links am Rande fand ich einen Durchschlupf. Zum Glück ist ein Hobbit recht klein. So gelangte ich schließlich zu der Lücke in der Stadtmauer.

Die Stadt stand bereits in Flammen. Ich kam gerade noch rechtzeitig, um Hugo Baumschneider vor den Angreifern zu retten, indem ich zwei weitere Schwarzwolds erschlug. Hugo erzählte mir, dass Éogan hinter Mundo Sackheim-Beutlin her war. Deswegen also der ganze Angriff: Sie wollten den Hobbit ein zweites Mal gefangen nehmen. Doch warum nur? Wieso sollte Mundo so wichtig für sie sein?

Im Gefängnishof fand ich den verletzten Amdir, der weitere Weg zum Dorfplatz aber war durch das Feuer versperrt. So musste ich erst am Brunnen Wasser schöpfen und das Feuer löschen, damit wir weiter in die Stadt zu unseren Freunden vorrücken konnten.

Vor dem Gasthaus "Zum tobenden Dachs" fanden wir sie schließlich, von Feinden umzingelt. Wir hatten alle Hände voll zu tun, uns der Übermacht zu erwehren. Dann stand ich Éogan gegenüber und kämpfte erbittert mit ihm. Mit einem Schlag meiner Keule setzte ich ihn außer Gefecht. Nun waren die Hobbits frei.

Ich wechselte einige Worte mit Mundo, der sich auch nicht erklären konnte, weshalb die Schwarzwolds ihn entführen wollten. Da hörte ich hinter mir ein Geräusch: Éogan war nur betäubt gewesen. Er hatte sich aufgerafft, Amdir mit sich gezerrt und rief mir aus sicherer Entfernung zu, er habe nun erkannt, dass Mundo nicht der Beutlin sei, den sie suchten. Amdir aber werde er mitnehmen. Durch seine Morgul-Wunde würde er bald ihr nützlicher Diener sein. Obwohl ich versuchte, Éogan zu folgen, entkam er aus Archet.

Hmm, sie suchen also nach einem Hobbit namens Beutlin, aber aus welchem Grund? Die Beutlins wohnen in Hobbingen, vielleicht kann ich dort mehr erfahren.

Die Schlacht war vorbei, die übrigen Schwarwolds waren entweder mit Éogan geflohen oder tot. Viele Häuser in Archet waren nieder gebrannt, und es würde einige Zeit dauern, die Stadt wieder aufzubauen. Nun, unsere Sache war dies nicht.

Ich jedenfalls reise mit Mundo und Celandine wieder zurück ins Auenland. Ich hoffe, dass wir dort noch eine Weile in Frieden leben können.

Das Handwerk des Krieges

Es gibt keinen Zweifel: Wir befinden uns im Krieg.

Diese Schwarzwolds sind nicht irgendwelche Raufbolde, die einen zu viel über den Durst getrunken haben, sondern eine schlagkräftige Truppe voll Bösartigkeit und Unnachgiebigkeit. Sie sind sogar bereit, für ihre üblen Ziele zu sterben. Sie wollen Archet angreifen, die Bewohner töten oder vertreiben, die Häuser niederbrennen, über alle Schrecken und Verderben bringen. Die Papiere, die ich bei dem Spion gefunden habe, beweisen dies unwiderlegbar. Aber es scheint noch mehr dahinter zu stecken: Sie scheinen auf fremden Befehl hin zu handeln. Und nicht nur diese Menschen sind wie von Sinnen und wild in ihrem Kampf, auch einige Tiere scheinen wie von einer bösen Macht gegen uns aufgehetzt zu sein: Wölfe, Spinnen, sogar Marschfliegen scheinen sich gegen uns verschworen zu haben. Welche Macht kann Menschen und Tiere gleichermaßen zu solchem Hass und Gewaltbereitschaft verführen? Wir müssen gegen dieses Böse ankämpfen, das unser Leben in die Dunkelheit stürzen will.

Zusammen mit einigen Verbündeten führte ich einen Angriff auf das Lager der Schwarzwolds durch, um sie abzulenken und zu schwächen, damit Farnbach genug Zeit bleibe, um unsere Verteidigung besser zu organisieren.

Vor jedem anderen Beruf habe ich nun also das Handwerk des Krieges erlernt: Mein durchdringender Schrei, der mir immer besser gelingt, ist eine sehr wirksame Fernwaffe. Meine Lieder geben mir und meinen Verbündeten zusätzlich Kraft und Mut, ja sie wirken sogar heilsam auf Leib und Seele. Angreifen, parieren, täuschen und zustoßen - was mich anfangs solche Überwindung kostete, geht mir aus Notwendigkeit in Fleisch und Blut über. Da wir gemeinsam und sehr gezielt vorgingen, war unser Überfall auf das Lager ein Erfolg. Wir alle kehrten heil zurück - abgesehen von ein paar Blessuren, die ich aber mit Celandines Heilsalbe bessern konnte.

Nun scheinen wir gerüstet für den letzten Ansturm unserer Feinde auf die Stadt.

Zweifel

Ich habe einen Menschen getötet!
Zum ersten Mal in meinen jungen Jahren ist ein Angehöriger der vier Völker, ein anderes Wesen, das freies Denken besitzt, das lachen und weinen kann, durch meine Hand gestorben. Ich musste mich übergeben, mir ist immer noch schlecht.
Wer war er? Was waren seine Beweggründe, sich den Schwarzwolds anzuschließen? Hatte er Familie? Werden jetzt seine Freunde um ihn weinen?

Doch der Reihe nach:
Dirk Schlammziegel erzählte mir, dass Hauptmann Farnbach ihn zum Strafdienst abkommandierte, weil Farnbach auch ihm nicht glauben wollte, dass sich ein Verräter in unseren Reihen befindet. Engstirnigkeit, Besserwisserei und Zwietracht - das sind mächtige Waffen des Feindes. Und besonders Menschen scheinen für sie anfällig zu sein. Viele Leute vom Großen Volk lassen sich einwickeln und werden blind für das Eigentliche. Farnbach glaubte sogar nicht einmal seinem eigenen Sohn, sondern verbannte ihn aus Archet. Also mussten wir handfeste Beweise finden, um sie dem Hauptmann vorzulegen. Wir mussten in Erfahrung bringen, welche Informationen die Schwarzwolds schon besitzen und was sie planen. Deswegen schlich ich mich an einen ihrer Spione heran, um ihn gefangen zu nehmen. Doch er wollte sich weder ergeben noch die Informationen freiwillig herausrücken, sondern fing mit mir einen Kampf an auf Leben und Tod, und so beruhigt nur ein Gedanke mein Gewissen: Hätte ich ihn nicht getötet, dann wäre ich jetzt tot.
Das scheint mir die einzige Rechtfertigung zu sein: Wir wollen in Frieden leben, doch andere missgönnen es uns. Sie greifen uns an und wollen unser Leben zerstören. Wir haben gewiss das Recht, uns zu verteidigen, unser Leben, unser Hab und Gut und unsere Lieben, die uns anvertraut sind. Und wenn es nicht anders geht, wenn es sich nicht vermeiden lässt, dann werde ich den Gegner auch töten. Und dennoch ist mir schlecht dabei. Hoffentlich geraten wir nicht selbst in den Strudel des Bösen, hoffentlich behalten wir bei den bevorstehenden Kämpfen den Blick für das Richtige, für das Gute - sonst wären wir auch nicht besser als unsere Gegner.


Zum Glück hatte der Spion einige Papiere bei sich. Sie sind ein unwiederlegbarer Beweis für den Verrat. Nun muss Hauptmann Farnbach seinen Fehler erkennen.

Wolfsgeheul


Zum ersten Mal hatte ich die sicheren Mauern von Archet verlassen. Die Landschaft außerhalb erinnert mich leicht ans Auenland: Satte, grüne Wiesen, gutes Weideland, aber weniger Hügel. Richtung Süden konnte ich die Ruinen von "Bronwes Torheit" erkennen. Diesen Ort hatte mir Celandine genannt, dort sollte ich nach dem Königskraut suchen. Doch zuerst wandte ich mich nach Westen, um auf dem Hof mit Dirk Schlammziegel zu sprechen. Amdir hatte mich gebeten, dem Auftrag von Farnbach nachzukommen und mich der Wolfsplage anzunehmen. Dies sei eine gute Übung für mich; schließlich könne ich dabei auch so manches Fell ergattern, das sich in Archet verkaufen ließe. Viele Schafe gibt es nicht mehr auf dem Hof, das ist deutlich zu sehen. Sie sind zwar gut bewacht, aber die Wölfe werden immer aufdringlicher, wenn man sie nicht bekämpft. Sie kommen schon ganz nah an den Zaun heran.

So brauchte ich auch nicht weit zu laufen, bis ich meinem ersten Gegner im Wolfspelz gegenüber stand, einem knurrenden Dämmerwolf. Sein schreckliches Geheule ließ mir für einen Moment mein Blut in den Adern erstarren. So musste es einst auch unseren Vorfahren gegangen sein, wenn in rauhen Wintern die Wölfe über die Nordgrenze ins Auenland eingefallen waren.

Noch hatte mich das Tier nicht bemerkt. Langsam pirschte ich mich näher heran, so nahe, dass ich zum ersten Mal den neu erlernten durchdringenden Schrei einsetzen konnte. Und so nahm ich all meinen Mut zusammen und schrie dem Tier meine ganze Wut entgegen. Sofort sprang es mit gefletschten Zähnen auf mich los und knurrte mich an, doch ein kräftiger Schlag mit meinem Streitkolben reichte aus, um das grimmige Tier zu töten. Hurra! Ich hatte einen großen ersten Sieg errungen. Mit Freuden zog ich dem leblosen Körper sein graues Fell über die Ohren - eine gute Beute für wärmende Wintermäntel. Durch solche Kühnheit gestärkt, stürzte ich dem nächsten Wolf entgegen. Dieser war ein stärkerer Gegner. Er schaffte es, mir eine kleine Bisswunde am Arm zuzufügen, aber dennoch konnte ich ihn schließlich im Kampf besiegen.

Weiter ging es in Richtung der Ruine, denn ich musste ja noch Athelas finden. Dabei war ich wohl unvorsichtig geworden, denn plötzlich fiel mich ein besonders großer Wolf von hinten an. Ich hatte kaum Gelegenheit, ihn mir vom Leib zu halten, seinen scharfen Zähnen auszuweichen, um meinen Streitkolben zu zücken. Weglaufen konnte ich nicht mehr, das Tier holte mich mit Leichtigkeit wieder ein, schlug seine Pfote in meine Kleider und kratzte mir mit seinen Krallen die Haut auf. Da besann ich mich auf den gelernten Schrei. Ich schrie aus Leibeskräften, mit aller Grimmigkeit, die ich nur aufbieten konnte. Das schlug meinen Feind zurück und gab mir die Gelegenheit für den tödlichen Schlag. Uff! Das war knapp. Von da an ging ich vorsichtiger zur Sache.



So erreichte ich die Ruine "Bronwes Torheit". Was mag dies wohl gewesen sein? Ein Tempel? Eine Palastanlage? Wer hat es erbaut, und welche Gewalt hat es zerstört? Eigentlich schade, dass wir Hobbits so wenig über die Vergangenheit wissen. Wir haben viele Jahrhunderte hindurch in Frieden in unserer kleinen Welt gelebt und waren damit zufrieden, genug zu essen zu haben, gutes Bier zu trinken und Blatt in der Pfeife zu rauchen. Um viel mehr haben wir uns nicht gekümmert. Na ja, es ist doch auch schön, wenn man sein Leben einfach genießen kann.

Doch immer deutlicher wird mir bewusst, dass diese friedliche Zeit nun vorüber ist. Wölfe, Schwarzwolds, schwarze Reiter - was wird noch alles kommen? Werden wir die Gefahren bestehen können?

Es war ganz leicht, bei der Ruine genügend Königskraut für Celandine zu finden. Mit mehreren Fellen und anderen Trophäen machte ich mich auf den Rückweg nach Archet.

Gebratene Pilze

Amdir ist anscheinend schwerer verletzt, als er zugeben will. Immerhin hat er eingesehen, dass er die Menschen nicht länger im Kampf unterstützen kann. Ich muss nun gleich los, um Athelas zu suchen, auch Königskraut genannt; Celandine will daraus ein Heilmittel für Amdirs Wunde herstellen. Athelas soll wahre Wunder wirken.

Amdir hatte mir erzählt, dass einer der Menschen - Cornelius Strohlehm - ein Verräter sei. Weil Hauptmann Farnbach, der die Garnison von Archet befehligt, einem Waldläufer misstraue, hat Amdir mich gebeten, ihm von dem Verdacht zu berichten. Doch Farnbach wollte auf mich auch nicht hören. Ein äußerst hochmütig wirkender Mensch, dieser Farnbach. Hält sich in dem Gasthaus auf, während draußen die Schwarzwolds ihr Unwesen treiben. Statt selbst etwas zu tun, wollte er mich ausschicken, um den Leuten des Schafshofes beim Kampf gegen die Wölfe zu helfen. Mich, einen kleinen Hobbit, der ein wenig singen kann und keinerlei Erfahrung im Kampf hat, mich schickt er unter die Wölfe.

Und doch werde ich allen zeigen, wie viel Mut in einem Hobbit steckt. Wenn ich nur ein wenig mehr Erfahrung hätte.

Amdir empfahl mir, meine Fertigkeiten zu schulen. Ausbilder gäbe es genug in Archet, die mir etwas beibringen könnten. Und tatsächlich fand ich einen Barden, ebenfalls einen Hobbit. Er lehrte mich eine besondere Technik des Schreiens, einen Schrei, der die Feinde in Angst und Schrecken versetzt, so dass bei schwächeren Gemütern sogar ihr Herz stehen bleibt und sie tot umfallen. Sehr nützlich. Nach ein wenig Übung konnte ich diesen Schrei schon recht gut. Außerdem überreichte mir der Barde eine Laute, so dass ich ihren Klang nun einsetzen kann, um Feinde das Fürchten zu lehren und Freunden neuen Mut zu geben.

Zum Dank für meine Bereitwilligkeit schenkte mir Amdir gebratene Pilze. Mmh, er scheint eine Menge von Hobbits zu verstehen, dieser Waldläufer, denn ich liebe gebratene PIlze. Und was wäre ein Hobbit ohne Marschverpflegung? Schließlich macht Singen, Schreien und Kämpfen einen Hobbit immer hungrig - ganz abgesehen davon, dass schon Ausruhen und Nichtstun einen Hobbit hungrig werden lässt.

Doch nun muss ich los, Athelas besorgen. Vielleicht probiere ich auch einmal gegen einen Wolf zu kämpfen. Mit meinen neuen Fertigkeiten sollte ich eigentlich siegreich bleiben.

Hoffentlich geht es Amdir bald wieder besser...

Der Beginn

Wir schreiben das Jahr 1418 AZ.

Die ruhigen Jahre in unserem beschaulichen Auenland scheinen endgültig vorbei zu sein. Immer mehr Fremdlinge streifen durch unser Land, und man hört im "Efeubusch" und anderswo so manche merkwürdige Geschichte...

Nicht einmal die Post erfüllt in diesen Tagen ihren Dienst. Angeblich sei es zu gefährlich, einen Brief nach Archet zu bringen.

So musste ich mich selbst auf die Sohlen machen, noch am Abend, um zu Celandine in Archet zu gehen und ihr zu sagen, was ich ihr im Brief geschrieben hatte.

Unterwegs traf ich auf den Grenzer Boffin, der sich mit einer dunklen Gestalt auf einem schwarzen Pferd unterhielt. Eine Gänsehaut hat der Reiter mir eingeflößt, obwohl ich noch weit entfernt war. Ich wartete, bis die dunkle Gestalt von dannen geritten war. Grenzer Boffin war völlig aufgelöst und riet mir, mich mit ihm auf dem Krauthof zu verstecken. Ich hätte nicht gedacht, dass ich so schnell in ein Abenteuer geraten sollte.

Der Weg zum Krauthof war voll Spinnweben. Wir mussten uns durchkämpfen und etliche Spinnen töten. Ich hatte nicht einmal ein Taschenmesser mitgenommen. Wie konnte ich nur so unvorsichtig sein. Zum Glück hatte Boffin noch ein Messer in seiner Tasche. Endlich beim Hof angekommen, brach Boffin in all seiner Angst und Aufregung den Schlüssel ab! Wir versuchten, über die Straße nach Waldhof zu entkommen, doch dabei liefen wir dem Reiter und seinen Schergen genau in die Arme. Wir wären verloren gewesen, wäre uns nicht ein Elb zu Hilfe gekommen. Ein Elb! Zum ersten Mal in meinem Leben sah ich jemandem vom alten Volk. Seine Erscheinung war einfach großartig, schlank und aufrecht stand er da, sein Bogen summte und seine Pfeile töteten die Bösewichte. Gildor war sein Name. Der schwarze Reiter floh vor ihm. Der Elb war nicht allein: Noch mehrere Angehörige seines Volkes begleiteten ihn - und auch ein Mensch namens Amdir, ein Waldläufer. Diese Waldläufer sind schon komische Leute. Wie kann man nur den ganzen Tag in der Gegend herum laufen, durch den Wald?! Wie soll man dabei den knurrenden Magen füllen?

Amdir musste ebenfalls nach Archet. Ich war heilfroh über die Begleitung auf meiner Reise. Amdir erzählte mir unterwegs, der schwarze Reiter sei ein Ringgeist gewesen, ein mächtiger Feind, ein Diener des dunklen Herrschers Sauron. So manche Geschichte und manches Lied habe ich schon gehört über Sauron; ich hielt das aber mehr für Märchen, mit denen man kleine Hobbits für alle Zeiten erschrecken kann, so dass sie nie den Drang verspüren, weiter zu gehen als bis zum nächsten Wirtshaus. Soll es Sauron etwa wirklich geben?

In Archet angekommen, konnte ich Celandine nirgendwo finden. Sie war entführt worden von den so genannten Schwarzwolds - böse Menschen. Was wollen sie nur von uns? Können sie uns nicht in Frieden leben lassen? Amdir machte sich auf, diesen Feinden entgegenzutreten und Celandine und ihren Freund Mundo aus der Hand dieser Entführer zu befreien. Mutig sind sie schon, die Waldläufer. Zwar kehrte er mit beiden zurück, war aber selbst dabei verletzt worden durch eine verfluchte Mordor-Klinge.

Archet, diese Stadt der Menschen ist kein Platz für Hobbits. Große Leute, große Häuser statt gemütlichen Höhlen und ein Lager voller Bösewichte. Deswegen hatte ich Celadine ja auch geschrieben, dass sie zurück kommen soll ins Auenland - doch dafür ist im Augenblick keine Zeit. Zuerst einmal müssen wir diese Schwarzwolds los werden, sonst kann niemand in Sicherheit reisen.